Im Winter ist es in Tbilissi wesentlich kälter als in Deutschland. Das können wir
uns gar nicht so richtig vorstellen, bewegen wir uns doch derzeit bei 30°C im Schatten durch
die engen lassen der Hauptstadt Georgiens. Man erzählte uns dass öffentliche
Gebäuden und Privatwohnungen in den Wintermonaten meist dennoch unbeheizt bleiben. Die
Energiekrise Georgiens - die verbleibenden Wasserkraftwerke können den Strombedarf nicht
decken - ist bis heute nicht überwunden. Wir wohnen in Privatwohnungen in abenteuerlichen
Hochhäusern. So katastrophal diese von außen anzusehen sind, die Wohnungen sind
äußerst liebevoll und geradezu herrschaftlich ausgestattet. Die Bewohner teilen Sie
mit uns für die Dauer unseres Aufenthaltes in Tbilissi und versorgen uns mit exzellenter
georgischer Küche. |
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| Quelle: Thüringer Allgemeine vom 05. August 2004 |
Verlässt man Tbilissi auf der Landstrasse
Richtung Süden, beginnt schon bald die Strecke abenteuerlich zu werden.
Die Strassen sind hier schlechte Feldwege, gepflastert mit knietiefen
Löchern und belagert von Schweinen, Schafen und Rindern. Neben den
Gebirgen ist ein Drittel der Fläche Georgiens mit Hügeln bedeckt.
Der sogenannte kleine Kaukasus erreicht |
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| Quelle: Thüringer Allgemeine vom 18. August 2004 |
Wie eine große Barriere wirkt er, der Kaukasus. Das Gebirge, an welches Zeus Prometheus schmieden lies, da er durch eine List dem Gottvater gegenüber den Menschen das Feuer gebracht hatte und gleichzeitig nördliche natürliche Grenze Georgiens. Der Große Kaukasus gilt als eine der vielfältigsten Regionen der Erde. Zwanzig Prozent des Gebirgsmassivs liegen höher als 2000 Meter über dem Meeresspiegel. Die vielgestaltige Landschaft verursacht ein sehr wechselhaftes Wetter. Hier haben wir zehn atemberaubende Tage verbracht. Diese gigantische Landschaft erscheint uns nach mehreren abenteuerlichen Wanderungen noch vieldeutiger und undurchschaubarer als zuvor. Unsere täglichen Expeditionen führten uns vorbei an gigantischen Felsmassiven, deren Gipfel auch im Hochsommer ihre Schneemütze nicht verlieren. Im Winter sind diese Bergregionen kalt und schneereich. Die physikalische Verwitterung (Nachtfröste sind auch im Sommer möglich, Quellen verraten Wasseradern im Gestein) fordert hier wie überall auf der Welt ihren Tribut, Frost und Wasser tragen die Berge allmählich ab. Jedoch wird dies noch viele hundert Jahrtausende andauern. Nichts desto trotz bekommen wir dieses Phänomen selbst zu spüren, immer gewahr von Steinschlag und Muren. Erleben konnten wir dieses Schauspiel bei einem Mitternachtsgewitter, das auf 2500 Höhenmetern über uns hereinbrach und die Zelte vor eine ziemliche Belastungsprobe stellte. Besucht haben wir den Kasbegi. Höchster Punkt Georgiens. Ein imposanter, vergletscherter Riese. Manche dieser Berge sind erloschene Vulkane, was man ihnen heute noch ansieht. Das gesamte Gebiet gilt als erdbebengefährdet. Trotzig liegen sie deshalb inmitten der Bergriesen, die kleinen Bergsiedlungen mit ihren altertümlichen Bauten. Am imposantesten wirken dabei die Wehrtürme. In keiner Gegend der Erde gibt es wohl so viele Sprachen und Kulturen wie im Kaukasus. Und auch die tief reichende Gastfreundschaft erscheint angesichts dieser rauen Landschaft außergewöhnlich. Die Kirchen in den größeren Siedlungen und vor allem die vereinzelten Klöster in ihrer Abgeschiedenheit bieten einen tiefen Blick in die Seele der Bergvölker. Neben den Dörfern weiden die Kühe der Dorfgemeinschaft. Weideland dominiert die Höhenzonen zwischen 1800 und 2000 Metern über dem Meeresspiegel. Hier und darüber erstrecken sich die ausgedehnten Rasen einer farbenprächtigen Hochgebirgsvegetation. Unter anderem dafür waren wir ja hierher gekommen. Unsere Mappen füllten sich zusehends. Abgekapselte Gebirgstäler mit ihren übereinanderliegenden Klimazonen und den abschottenden Bergen ermöglichten eine ungestörte Entwicklung einzigartiger Lebensgemeinschaften. Jedoch ist diese einmalige Vegetation des Kaukasus einer hohen Gefährdung ausgesetzt. Die schwierigen Lebensbedingungen der Bevölkerung führen zu einem verstärkten Rückgriff auf die natürlichen Ressourcen. Dem Land fehlen schließlich die finanziellen Mittel für den Erhalt der weltweit einzigartigen Naturausstattung. Das Material – zahlreiche Pflanzenarten, die nur hier im Kaukasus vorkommen – wird den Bestand des Herbariums Haussknecht in Jena mit einigen außergewöhnlichen Exemplaren von Seltenheitswert weiter komplettieren. Unseren Wasservorrat aufzufüllen, bereitete indes keine großen Schwierigkeiten. Die unzähligen kleinen Bergflüsse führen ein klares Wasser. Sie retteten schon seit zwei Jahrtausenden vielen Menschen das Leben bei der Überquerung des Kaukasus. Heute bewegt sich der meiste Verkehr entlang der alten Heerstraße, die auch wir für unsere Anfahrt auf den Kaukasus nutzten. Sie trennt den Zentral- vom Ostkaukasus ab. Der alte Karawanenweg ist die kürzeste, aber nichts desto trotz immer noch beschwerliche Verbindung zwischen dem Norden und dem Orient. Ruinen alter Festungsmauern und Überreste von Palästen ehemaliger Herrscher Georgiens säumen den Weg. Auch wenn durch die Fertigstellung einer Eisenbahnverbindung Ende de 19. Jahrhunderts zum Verlust der wirtschaftlichen Bedeutung des Heerstraße führte, ermöglicht sie noch heute den kulturellen Austausch zwischen dem georgischen und dem russischen Volk. |
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| Quelle: Thüringer Allgemeine |